Mi spiace, mai sentito

9 Uhr. Früher war er selten wach, seitdem er hier ist. 400 Meter Gehweg zur Universität – der durchschnittlich Schlaftrunkene geht hier etwa vier Minuten lang. Im Falle des Ösis beginnen die Vorlesungen frühestens um 10:15. Beinahe jeden dritten Tag fragen ihn auf dem Weg in das temporäre Ausbildungsgebäude ortsunkundige Italiener nach dem Weg zu diesem und jenem Ziel – er, der er erst seit zweieinhalb Wochen in einem ihm noch unbekannten Städtchen des Spaghettilandes lebt und noch ortsunkundiger ist, kann sich im Wissen seines Unwissens schon auf die Antwort „mi spiace, mai sentito“ einstellen. Während die italienische Morgensonne bereits durch wolkenfreie Thermosphäre lächelt und zu ersten Bräunungseinheiten ansetzt, betritt er die „Facoltà scienze della comunicazione“.

Von der Aufmerksamkeit angetan, die italienische Studierende den Vortragenden schenken, versucht auch er dem anfangs scheinbar unverständlichen romanischen Satzkonstruktionen zu folgen. Zu schnell, zu wenig Hochsprache, zu schlechte Raumakustik. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat sich dieses Problem nicht vollständig, aber zumindest teilweise erledigt. Nach dem Vorbild seiner italienischen Mitstudenten werden Blicke auf soziale Plattformen am mobilen Endgerät weitgehend vermieden. Es scheint zumindest, als würden Italienerinnen und Italiener wirklich ständig versuchen, dem Lehrkörper zu folgen. Entspricht nicht dem Klischee, das Italienischlernenden in Österreich vermittelt wird.

kennts mi segn?

kennts mi segn?

Der Heimweg ist gefährlich. Es ist sowieso immer gefährlich, wenn man sich in der Nähe von italienischem Asphalt befindet, der durch Leit- oder Sperrlinien markiert ist. Eines hat er schon gelernt: Es reicht nicht, vor dem Zebrastreifen zu stehen. Ein Bein muss schon auf der Strada sein, um dem südländischen Vehikelinsassen zu veranschaulichen, dass man dort nicht zum Gänseblümchenpflücken steht.

Zitat der Woche
„Se un maestro vuoi diventare, un semestre all’estero devi studiare.“

Wechsel in die Ich- und Egoperspektive. Einige der bisherigen Highlights:

  • Eine Mailänderin hat mir gesagt, mein Italienisch hätte einen Akzent, der geographisch irgendwo in Emilia Romagna einzuordnen wäre.
  • Italiener sind nett. Sehr nett. Wenn du nach dem Weg fragst, dann erklären sie ihn dir nicht. Sie begleiten dich zu Fuß.
  • Alles was hier nicht italienisch ist, ist spanisch. Ein Großteil der Erasmus-Studenten kommt aus Barcelona.
  • Unter der Tribüne (!) des Stadions von Sassuolo befindet sich ein Einkaufszentrum.
  • Auf der Tribüne (!) werde ich am 27.04.2014 stehen. Juventus Turin kommt zu Besuch.
  • Prosciutto crudo und Salami und Parmiggiano sind ja sowas von voll geil.

Ohrwurm der Woche

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